Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz hält in immer mehr Geschäftsbereichen Einzug – von automatisierten Texten bis hin zu datengetriebenen Entscheidungen. Mit dieser Entwicklung wächst auch die Verantwortung. Genau hier setzt die neue Schulungspflicht an: Es soll sichergestellt werden, dass alle Beteiligten KI-Systeme kompetent und verantwortungsvoll einsetzen können. Ziel ist es, Risiken zu minimieren und gleichzeitig die Chancen der Technologie sinnvoll zu nutzen. Das Wichtigste in Kürze: Wer KI einsetzt, muss künftig nachweisen können, dass die entsprechenden Kenntnisse vorhanden sind.
Redaktion
/// Zeitplan und rechtlicher Rahmen
Die europäische KI-Verordnung (AI Act) wurde am 21. Mai 2024 vom Rat der Europäischen Union final angenommen und am 12. Juli 2024 im Amtsblatt veröffentlicht. Sie ist am 1. August 2024 offiziell in Kraft getreten und bildet erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Einsatz von KI in der EU.
Die Anwendung erfolgt schrittweise: Erste Verbote für besonders risikoreiche KI-Praktiken gelten seit dem 2. Februar 2025. Ab diesem Zeitpunkt muss sichergestellt sein, dass ausreichende Kompetenzen im Umgang mit KI vorhanden sind – was faktisch eine Schulungspflicht bedeutet. Weitere zentrale Vorschriften, insbesondere für so genannte Hochrisiko-Systeme, werden ab dem 2. August 2026 verbindlich. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist.
/// Für wen die Pflicht gilt
Die Pflicht betrifft grundsätzlich alle, die KI-Systeme gewerblich einsetzen, betreiben, entwickeln oder deren Ergebnisse in ihre Geschäftsprozesse einfließen lassen.
Entscheidend ist nicht die Branche oder Größe, sondern die tatsächliche Nutzung von KI im Arbeitsalltag. Besonders im Fokus stehen dabei alle Personen, die direkt mit entsprechenden Anwendungen arbeiten oder Entscheidungen auf deren Grundlage treffen.
Dazu zählen insbesondere:
- Mitarbeitende, die KI-Tools aktiv bedienen, etwa im Marketing, Kundenservice oder in der Datenanalyse;
- Führungskräfte, die KI-gestützte Ergebnisse für strategische oder operative Entscheidungen nutzen;
- IT- und Fachabteilungen, die KI-Systeme implementieren, überwachen oder anpassen;
- Unternehmen, die externe KI-Lösungen einkaufen und in ihre Prozesse integrieren.
/// Welche Inhalte vermittelt werden müssen
Die Schulungsinhalte sollen sicherstellen, dass KI nicht nur genutzt, sondern auch verstanden und kritisch eingeordnet werden kann. Dabei geht es weniger um tiefgehende Programmierkenntnisse als vielmehr um ein fundiertes Anwendungs- und Risikoverständnis im jeweiligen beruflichen Kontext.
Vermittelt werden sollten insbesondere:
- Grundlegendes Verständnis von Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von KI-Systemen;
- Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu bewerten und mögliche Fehler oder Verzerrungen zu erkennen;
- Bewusstsein für Risiken, etwa in Bezug auf Diskriminierung, Fehlentscheidungen oder Abhängigkeiten;
- Kenntnisse zu rechtlichen Anforderungen, insbesondere Datenschutz und Transparenzpflichten;
- Sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit Daten sowie unternehmensinternen Richtlinien.
/// So lässt sich die Schulungspflicht pragmatisch umsetzen
Die Einführung einer strukturierten KI-Schulung muss kein komplexes Großprojekt sein. Entscheidend ist ein systematisches Vorgehen, das sich an den tatsächlichen Einsatzbereichen im Unternehmen orientiert. Statt pauschaler Schulungen empfiehlt sich ein bedarfsgerechter Ansatz, der unterschiedliche Rollen und Kenntnisstände berücksichtigt.
Ein sinnvoller Einstieg kann so aussehen:
- Bestandsaufnahme der eingesetzten KI-Tools und deren Anwendungsbereiche;
- Identifikation der betroffenen Mitarbeitenden und deren konkreter Schulungsbedarf;
- Entwicklung praxisnaher Schulungsformate, etwa Workshops, E-Learnings oder Leitfäden;
- Integration der Inhalte in bestehende Weiterbildungs- und Compliance-Strukturen;
- Regelmäßige Aktualisierung der Schulungen entsprechend technischer und rechtlicher Entwicklungen.
Diejenigen, die frühzeitig klare Strukturen schaffen, profitieren doppelt: Sie erfüllen nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern schaffen auch Vertrauen im Umgang mit einer Schlüsseltechnologie der Zukunft und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend digitalen Wirtschaft.
