Digitale Workflows auswählen und einführen: bottom-up, top-down – oder beides zugleich

(DMG) Koelnmesse, IDS - Oliver Wachenfeld

Digitale Workflows erreichen eine neue Stufe. Zahnärzte und Zahntechniker erklimmen sie im Team mithilfe von Echtzeit-Scans, präzisem 3D-Druck und virtueller Prothetik- und Therapieplanung. Alles, was die beteiligten Akteure heute und künftig digital verbindet, erleben sie auf der 42. Internationalen Dental-Schau (IDS) vom 16. bis zum 20. März 2027 in Köln.

Dr. Christian Ehrensberger

 

Es hat sich in der Vergangenheit oft als richtig erwiesen, mutig loszulegen, beispielsweise in der Praxis mit einem Intraoralscanner für die „Abformung ohne Abformmasse“ oder im Labor mit einem Extraoralscanner zur Überführung einer klassischen Abformung in ein digitales Datenpaket. War der Einstieg in den digitalen Workflow geschafft, fand sich der Rest oft wie von selbst – bis hin zur durchgängigen digitalen Vernetzung von Zahnarzt und Zahntechniker.

Das ist der Bottom-up-Weg. Er führt von einer zunächst isolierten digitalen Insel zum durchgängigen digitalen Workflow.

 

/// Intraoralscanner als Teamwerkzeug

Heute und künftig können Praxis- und Laborteam enger und effektiver zusammenarbeiten – und sich ihre bevorzugte Arbeitsweise top-down erschließen. Sie starten mit einer Zielvorstellung von ihrer idealen Zusammenarbeit. Anschließend stellen sie das dafür benötigte Equipment zusammen.

Für die digitale Abformung stehen beispielsweise Intraoralscanner mit konfokaler Mikroskopie oder mit aktiver Triangulation zur Verfügung. Einige sind kabelgebunden und dafür etwas leichter; andere etwas schwerer, dafür kabellos und flexibler handhabbar. Interessant für das zahnärztlich-zahntechnische Team ist die Frage, ob ein Intraoralscanner auch vollständige Kiefer erfassen kann. Das ermöglicht eine umfassende Planung von Anfang an. Einige Intraoralscanner können mit Unterstützung durch künstliche Intelligenz (KI) unterschiedliche Gewebe segmentieren oder störende Elemente schon während des Scans automatisch herausfiltern (z.B. Wange, Zunge). Damit startet das zahnärztlich-zahntechnische Team von einer bereits hoch gelegenen Basisstation zum Gipfel der gemeinsamen virtuellen Planung.

Das Ziel des Wegs ist idealerweise von vornherein klar definiert. Dafür liefern aktuelle Verfahren des „Digital Smile Design“ die zeitgemäße Toolbox. Damit lässt sich das Endergebnis fotorealistisch simulieren. Die Software bezieht das angestrebte Ergebnis bereits in ihren ersten Behandlungsvorschlag ein.

 

/// Schnittstellen und Datenformate: Der Schlüssel zum Teamwork

Als entscheidend für einen reibungslosen Workflow erweisen sich Schnittstellen und Dateiformate. Hier kommt es darauf an, was man vor hat. Für die Herstellung von Zahnersatz im Chairside-Verfahren oder unter Beteiligung des eigenen Praxislabors kann ein geschlossener Workflow mit umfassenden Herstellergarantien das Richtige sein. Bei komplexen Fällen müssen dagegen offene Datenformate (z.B. STL- oder PLY-Dateien) versendbar und vom Gegenüber auch lesbar sein. Zudem sollte sich externe Planungssoftware einbinden lassen (z.B. mit erweiterten KI-Funktionen).

Immer häufiger nutzen solche Workflows sichere dentale Cloud-Plattformen. Sie erleichtern die Zusammenarbeit, weil beispielsweise Zahnarzt und Zahntechniker von unterschiedlichen Orten auf ein und dieselbe Datei zugreifen und sie gemeinsam bearbeiten können. Software nutzen sie bei Bedarf in der Cloud als SaaS (Software as a Servce).

Darüber hinaus kommen immer häufiger dreidimensionale Röntgenaufnahmen (DVT, digitale Volumentomographie) und Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Denn damit lassen sich auch Weichgewebe und Knochenstrukturen darstellen.

Auf einem sinnvollen Abgleich der unterschiedlichen Bilddaten setzt die Planung im Team auf. Gegebenenfalls gehört dazu auch die dynamische Funktionsanalyse. Dafür stehen Gesichtsscanner oder digitale Axiographen bzw. Kondylographen bereit. Sie erfassen die exakte Kieferbewegung und -position und ermöglichen so beispielsweise die Abstimmung von Zahnersatz auf die natürlichen Kaubewegungen des Patienten.

Ein Rundgang über die 42. IDS 2027 zeigt, wie komfortabel sich unterschiedliche Bilddatensätze und Softwarelösungen in einen teamübergreifenden Workflow integrieren lassen. Aus den entsprechenden Planungen lassen sich unter anderem eine oder mehrere Bohrschablonen ableiten und damit die Präzision der geführten Implantation sichern.

 

/// Fräsen, Schleifen, Drucken – Fertigung als Teamentscheidung

In den bis hierhin beschriebenen Workflow soll sich auch die Herstellung von Zahnersatz, von kieferorthopädischen Apparaturen oder von Alignern nathlos integrieren. Ob letztlich subtraktiv (Fräsen, Schleifen) oder additiv (3D-Druck) vorgegangen wird, hängt von der Genauigkeit, der Schnelligkeit und von den ökonomischen Rahmenbedingungen ab.

Bei einer verstärkten Nutzung von dentalen Clouds, von KI-gestützter Planungssoftware und von mehreren Herstellungsalternativen dürften sich die bestehenden Wertschöpfungsketten verschieben. Einige Praxen werden prothetische Restaurationen, vor allem Kronen, künftig selbst herstellen. Besonders in größeren Praxen oder in medizinischen Versorgungszentren (MVZ) wird stets die Inanspruchnahme des eigenen Labors erwogen – mindestens bis zur drei- oder viergliedrigen Brücke und sowohl bei zahngetragenen als auch bei implantatgetragenen Versorgungen. In komplexeren Fällen kommt praktisch automatisch das externe gewerbliche Labor ins Spiel – oder, als weitere Alternative, ein industrieller Netzwerkfertigungsservice. So lohnt sich der Rundgang über die 42. IDS 2027 sowohl zum Vergleich bewährter und innovativer Produkte als auch zur Abschätzung von Wertschöpfungsketten und wirtschaftlichen Perspektiven – und natürlich zum Teambuilding mit dem Labor- bzw. Praxis-Partner. Deshalb ist die gemeinsame Fahrt zur IDS nach Köln der ultimative Topspin unter allen Möglichkeiten, eine Internationale Dental-Schau zu nutzen.

 

– KONTAKT
Koelnmesse GmbH
Messeplatz 1
50679 Köln
www.koelnmesse.de

GFDI mbH
Aachener Straße 1053-1055
50858 Köln
www.gfdi.de

 

BU

 (DMG) Koelnmesse, IDS – Oliver Wachenfeld

 (OTEC) Koelnmesse, IDS – Thomas Klerx